Sonntag, 14. Dezember 2014

Das Leithagebirge. Ein Traildorado.

Traillauf bitte nur mit dem richtigen Schuhwerk.
Aus längst geklärten Umständen hat es mich in den letzten Wochen vermehrt in das nördliche Burgenland verschlagen. Genauer gesagt an, in und auf das Leithagebirge. Gebirge ist vielleicht ein etwas irreführendes Wort. Für burgenländische Verhältnisse, kann man diese meist in alpinen Gegenden vorkommende Bezeichnung aber gelten lassen. Misst der höchste Punkt - der Sonnenberg, sage und schreibe 484m. Klettern und hochalpine Ausflüge sind also nicht das Alleinstellungsmerkmal dieser doch imposanten natürlichen Grenze zwischen Niederösterreich und dem Burgenland. Viel mehr sind es die Weitläufigkeit und die schier unendlich vernetzten Wege kreuz und quer durch die hauptsächlich mit Laubbäumen verwucherte pannonische Erhebung. Von den umliegenden Gemeinden, die alle auf ca. 200 Metern Meereshöhe liegen sind es auf die höchsten Punkte - Sonnenberg und Buchkogel - jeweils gute 200 Höhenmeter. Eisenstadt, Großhöflein, Müllendorf, Hornstein und Loretto im Süden, Donnerskirchen, Hof und Mannersdorf in der Mitte. Breitenbrunn, Kaltensteinbruch und Sommerrein im Norden.

Im Laufe der letzten fünf Wochen habe ich mich immer näher in die Tiefen und Höhen des Leithagebirges gewagt und immer mehr und mehr die unendlichen Weiten und die verzweigten Wegmöglichkeiten erkundet. Mein Fazit: ein grenzgeniales Traildorado. Links, rechts, rauf, runter ... die Gefahr sich zu verirren ist groß. Sehr groß. Was ich auch am eigenen verschwitzten Leib erfahren durfte. Mehrmals hatte ich ein mulmiges Gefühl, weil ich keine Ahnung hatte. Darüber, wo ich gerade bin. Und darüber wie ich wieder zurückomme, wo ich schon einmal war.

Die ersten Male bin ich bei Regen und nebelverhangenem Himmel gelaufen. Gestern zum ersten Mal bei halbwegs Sonnenschein. Und genau gestern habe ich auch die Schönheit des Leithagebirges erlebt.







Es waren die Farben, die Ruhe und das Feeling, welche mich begeistert haben. Gestern war ich 24 km fast allein unterwegs. Abgesehen von einer Frau mit Hund, der ich den trockensten Weg zeigen musste, drei Waldarbeitern und einem verirrter Mountainbiker. Leider hatte ich (wieder einmal) das falsche Schuhwerk an. Mein Brooks Racer ST5 ist zwar am Asphalt ein treuer und guter Begleiter, im Gelände aber nur mit akrobatischen Einlagen zu bändigen und am Boden zu halten. Samt dem damit verbundenen Körper. Meinen Körper. Als Brooks Messenger sollte ich doch einen Brooks Trailschuh tragen, oder? Also Brooks. Hört mich denn ja jemand? Oder noch besser. Liest mich da jemand?

Zurück zu den Trails. Meine habe ich stets in Eisenstadt begonnen. Entweder direkt rauf auf die Gloriettenwarte oder zuerst durch den Schlosspark und dann Richtung Schönen Jäger. Rauf auf die Gloriettenwarte sind es von Eisenstadt auf dem ersten Kilometer gleich über 150 Höhenmeter. Genau richtig, um in Fahrt zu kommen. Ist man erst einmal auf Flughöhe, dann beginnt das heitere Wege erraten und Routen tanzen. Da zum Glück fast alles angeschrieben ist, ist es da und dort auch kein Problem. Kritischer wird es, wenn man sich auf eigene Faust den Weg durch den Wald sucht. Mein Appell deshalb: Stets am Weg bleiben. Mit einer mitgeführten Karte ist man dann auch noch auf der sichersten Seite. Zwischen dem Sonnenberg und dem Buchkogel (ca. 7 km voneinander entfernt) kann man sich austoben. Oder man wagt es jeweils runter in eine der umliegenden Gemeinden. Selbstverständlich dann wieder hinauf.







Da ich aus bereits geklärten Umständen die nächsten Tage, Wochen und Jahre weiter rund um das Leithagebierge zu tun haben werde, bin ich froh, dieses schöne Plätzchen für meine Trailläufe gefunden zu haben. Jetzt nur noch hoffen, dass sich der Boden etwas festigt und dann wird es keinen Weg geben, den ich mit meinen Brooks Laufschuhen dort nicht getrailert habe.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts






















Montag, 1. Dezember 2014

Raus oder rauf? Wenn der Winter das Rennradfahrerherz zerreißt.

"Sommersportler werden im Winter geformt." Dieses irgendwo aus den Tiefen des Internet gefischte Zitat hat mich dazu bewogen, hier wieder ein paar Zeilen zu schreiben.

Radsport als Ganzjahressport. Weil es heutzutage keine Ausreden mehr geben kann. Klima und Industrie eröffnen uns* ganz neue Möglichkeiten. Wärmere Winter und wärmere Kleidung. Trockenere Winter und trockenere Kleidung. Des Rennradfahrer Feindes in der kalten Jahreszeit ist einzig und allein der innere Schweinehund. Und der Schnee. Nicht der auf der Straße. Der in den Bergen. Der Powder. Frisch. Flockig. Leicht. Hier hat das Rennrad, egal ob Straße, MTB, Crosser oder Bahn, einfach keine Chance. Einfache Regel der Physik. Verzichten? Schwer. Unmöglich. Ein Aufstieg in der unverspurten Natur. Eine Abfahrt. Freeriding. Sonntags. Leider geil.

Was sich herrlich anfühlt ist aber eigentlich eine schwere Entscheidung. Eine, welche Gewissensbisse nährt. Eine, die nicht leichtfertig getroffen werden darf und kann. Sie muss überlegt sein. Rennrad oder Freeriding? Pro und Contra. Rennradler werden im Winter geformt. Grundlage oder Vergnügen? Mögen die Insider jetzt protestieren. Ja, auch der Aufstieg ist eine Art des Trainings. Ein gutes Training habe ich mir sagen lassen. Aber ich bin kein Tourengeher. Ein paar hundert Höhenmeter hinauf ja. Vom  letztmöglichen Punkt, der mit einer Aufstiegshilfe erreicht werden kann. Und das ein paar Mal. Vielleicht auch ein paar Mal mehr. Ski am Buckel. Samt Rucksack ein schönes Gewicht. Dazu noch die schweren Skischuhe. Ok. Krafttraining für die Beine. Kann auch nicht schaden. Aber es ist kein Rennrad fahren. Die Profis fahren im Winter auch nicht in die Alpen. Sie fahren in den Süden. Eben weil sie sich im Winter für den Sommer formen. Und sogar die Skifahrer, fahren im Sommer mit dem Rad. Um sich für den Winter zu formen. Grundlagentraining. Das perfide Zauberwort. Freeriding ist kein Grundlagentraining. Skifahren ist kein Grundlagentraining.

Warum ist denn alles so kompliziert? Warum habe ich mehrere Leidenschaften? Es ist schon schwer, Schwimmen und Laufen mit den Rennrad fahren zu kombinieren. Was ich ja eh nicht mache und vernachlässige.  Wenn also der Tiefschnee lockt, dann packt mich das schlechte Gewissen. Es zerreist mich innerlich. Raus oder rauf?

Egal. Jetzt einmal Weihnachtkekse essen. Viele. Sehr viele. Das hilft. Denn das schlechte Gewissen verlagert sich dann auf die Ansicht der Wampe und den Gürtel, der jetzt weiter geschnallt werden muss. Problem verschoben. Problem aufgehoben. Es muss nach Weihnachten Grundlagentraining her. Rennradler werden im Winter geformt. 

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

*ich, ihr, wir.

Montag, 24. November 2014

Cyclocross - mein Selbstversuch.

Ein Crosser auf den Schultern. Premiere im Querfeldein.
Endlich. Höchste Zeit. Viel zu spät. Warum nicht gleich. Cyclocross. Querfeldein. Crosser. Gemüse. Ich habe es getan und mich auch in dieser Disziplin entjungfernt. Yuppie Du. Bei Kaiserwetter. An einem der sonnigsten November Sonntage. Der Vorletzte. Nächste Woche ist der 1. Advent. Strahlend blauer Himmel. Angenehme Temperaturen. Herzklopfen. Aufregung.

Dieses Mal bin ich dem Ruf von Bernhard Kohl gefolgt, der das Cyclocross Schnuppertraining ausgerufen hat. Ich habe mich gleich angemeldet und das Beste vom Besten nach bewährter Ketterechts Philosophie reservieren lassen. Ein Ridley Crosser Model 2015. Genauer gesagt das Ridely X-Fire. Disc. Mit Shimano Ultegra. Als ich pünktlichst um 0930 bei der Brigittenauer Bucht ankam, stand es schon dort. Für mich reserviert. Mit meinem eigenen Namen. Falsch geschrieben. Aber immerhin. Eigentlich wollte ich schon früher dort sein, aber ich bin ca. 30 Minuten zwischen der A22, der Brigittenauer Brücke und den Katakomben des Vienna Int. Center umhergeirrt. Nicht ganz freiwillig. Ortskenntnisse. Nie von Nachteil. Navigationsgeräte sind keine Allekönner.

Egal. Ich war dort. Shimano Pedale drauf (uralte SPD 535er), Sattel etwas einstellen. Nach Gefühl. Schuhe an. Und schon war ich bereit. "Es gibt 2 Grundregeln", erklärt man uns. Ich lausche jenen, die sich auskennen. Zuerst zeigt man uns, wie man ein Crossbike trägt. Ja. Man trägt diese Räder. "Es ist eine Mischung aus Radfahren und Laufen". Und da man bekanntlich mit den Beinen läuft, muss man derweil das Fahrrad tragen. Schieben ist verpönt. Und langsam. Griff 1 und 2 sind leicht zu merken. Wichtig ist das Rad stabil zu halten und sich nicht selber im Weg zu stehen. Entweder auf der Schulter oder neben sich her.

Dann ging es schon los. Ich hatte vorerst einmal große Probleme mit der Shimano Schaltung. Wie immer. Darüber habe ich schon so oft berichtet. Als alter Campagnolo Fan ein Graus. Erste Gerade. Erster kleiner Hügel. Erste Spitzkehre. Erste Berührung mit dem Boden. Auf die Goschn gefallen. "Du darfst nicht so stark einschlagen. Vor allem, wenn es bergauf geht," ein gut gemeinter Ratschlag. Aber zu spät. Ich lass mich nicht unterkriegen. Fahre weiter. Suche vergebens jedes Mal in die Pedale zu kommen. Der tiefe Boden hindert mich. Besser gesagt hindert er die Schuhe eine Verbindung mit dem Rad herzustellen. Irgendwie geht es aber doch.

Wenig später gleich das nächste Hinderniss. Eine Uferdamm muss passiert werden. Nicht gerade aus. Sondern zuerst hinunter und dann wieder hinauf. Ca 5 Meter freier Fall. Und dann das selbe wieder steil nach oben. Mit dem Rad. Unten nur eine Kehre Zeit Schwung zu holen. "Den Schwung mitnehmen", wieder so ein Tipp. Die Frage ist nur wohin den Schwung mitnehmen. Nach links hinauf oder gerade aus in die Absperrung? Ich werde es gleich erleben.

Scheibenbremsen. Was für eine göttliche Gabe. Der freie Fall ist halb so schlimm, wenn man sich auf eine gute Bremsleistung verlassen kann. Ich drücke voll zu. Das Hinterrad blockiert. Es rutscht. Ich rutsche. Die Fliehkraft drückt mich nach unten. Mein Hintern verlängert sich in die Gegenrichtung. Ich brauche einen Ausgleich. "Unten kurz die Vorderbremese aufmachen". Ich erinnere mich. Öffne diese und kann das Rad in die richtige Fahrtrichtung lenken. Drei Pedaltritte und dann das Vermeintliche. Absteigen. Rad heben und rauf laufen. Ich bin kein Superman. Zum Glück habe ich gute Schuhe. Mit Stollen vorne. Vier Stück zu Beginn. Drei Stück am Ende. Der eine ist irgendwo noch in der Brigittenauer Bucht. Bitte komm heim.

Die zwei Schlüsselstellen des Rundkurses habe ich schon mal überlebt. Ohne mein zuvor im UKH Meidling vorsichtshalber reserviertes Zimmer beanspruchen zu müssen. Der Rest ist dann ein Herantasten. Asphalt. Schotter. Wiese. Und ein Hinderniss. Eine 30 cm hohe Absperrung. Laut vieler Youtube Videos könnte man so etwas überspringen. Könnte man. Ich lasse diese Erfahrung aus. Nehme diese Hürde, so wie man mir es gezeigt hat. Nicht schnell, dafür umso eleganter. Den Boden küsse ich nicht. Ich bin ein Naturtalent. Ja.

Auf. Ab. Links. Rechts. Rauf. Runter. Cyclocross macht sehr viel Spass. Und ist anstrengend. Die kurzen knackigen Anstiege haben es in sich. Intervalltraining Deluxe. Von Runde zu Runde werde ich schneller und sicherer. Fast zu sicher. In der zweiten Runde passiert es fast. Die Spitzkehre vom ersten Sturz wird mir zum Verhängnis. Vollgas rauf. Vollgas nach rechts. Fliehkraft nach hinten. Ich stürze über die Abgrenzung. Drehe mich in der Luft und sehe einen großen Stein. Gedanklich habe ich ihn schon am Helm. UKH ich komme. Reflexartig drehe ich den Kopf auf die Seite. Beim Aufprall am Boden verfehle ich den Stein um ein paar Zentimeter. Danke Schutzengel. Ein Zeichen? Ich ignoriere es. Weiter gehts. Taste mich immer mehr an meine Grenzen heran. Diese sind in der Technik. Aber ich schlage mich tapfer. Mit der GoPro. Video folgt.

Der Rennkurs füllt sich. Cyclocross scheint doch keine Randsportart zu sein. Kurz vor dem Rennen tummeln sich gestählte Körper und teure Carbonräder. Aller Marken. Ich bekomme das Bedürfnis mich mit all diesen Menschen messen zu wollen. Doch meine Freude wird gedämpt. Ich dachte, das Rennen mitfahren zu dürfen. Habe in der Ausschreiben da wohl was überlesen. Aus Freude. Zu großer Vorfreude. Und/oder hieß es. Schnuppertraining und/oder Schnupperrennen. Das Schnupperrennen aber unter Bedingungen. Ein Rad anzahlen. Es dann beim Rennen crossen. Danach zurückgeben und ab 30.11. dann im Empfang nehmen. Mit der Restzahlung. Bernhard Kohl persönlich erklärt mir das alles. Ohne zu sehen, wie traurig meine Augen waren, als ich diese Hiobsbotschaft hörte. Kein Rad. Kein Rennen. Schade. Ich hätte sicher nicht als Letzter die Ziellinie überquert.

Get lucky. Cross it.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Sonntag, 19. Oktober 2014

Wenn Rennrad fahren nichts mehr mit Rennrad fahren zu tun hat.


Redaktionstreffen von quäldich.de. Ich war dabei. Hätte ich gewusst, was mich erwartet, würde ich an dieser Stelle einen ganz anderen Blogbeitrag verfassen. Mit Rennrad fahren hatten 2 von 3 Ausfahrten nichts zu tun. Wer kann schon wissen, dass wo quäldich drauf steht auch wirklich quäldich drinnen steckt.

Donnerstag Anreise. Akklimatisierung. Es sind noch nicht alle da. Die Schweizer fehlen. Die Norddeutschen kommen ob der längeren Anreise später. Der Abend bleibt gemütlich. Auch weil der Kühlschrank noch leer ist. Dafür ist der Getränkevorrat so wie er sein muss. Freitag. Es regnet. Das haben wir gewusst. Dann hört es auf. Von Null auf Rennraddress in wenigen Minuten. Die Meute schart in den Löchern. Reto hat (s)eine Tour ausgesucht. Wir folgen ihm. Es geht zuerst nach Immenstadt. Von dort rauf auf den Mittagberg. RAUF. Großgeschrieben. Der Mittagberg sind knapp 700 HM auf 4,3 km mit einer Durchschnittssteigung von 15,06%. Teilweise kraxeln wir die Rodelbahn nach oben. Der Rest ist im Winter Skipiste. Der Asphalt in erbärmlichen Zustand. Ein Flachstück von ca. 5 m ist keine Hilfe. Oben schütteln wir alle den Kopf. Das hat mir Rennrad fahren nichts zu tun. Wir sind uns einig. Hinunter brauchen wir gleich lang wie nach oben. Dauerbremsen.  Wir streichen die Auffahrt auf die Grüntenhütte. Kein Bock mehr auf Stichstraßen. Rollen statt dessen im Allgäu ein wenig auf und ab. Zurück in der Bleibe geht es den Nudeln an den Kragen. Der nächste Tag soll ein Laktatgemetzel werden. Den internen Codenamen dafür, darf ich aus Jungendschutzgründen hier nicht anbringen.











Samstag. Wir fahren zuerst 112 km nach Bludenz (!!!). Mit dem Auto. Von dort mit den Rennrädern auf die Silvretta Hochalpenstrasse. Lukas attackiert noch in der neutralisierten Zone. Jan und Roli folgen. Ich sehe die drei erst wieder oben auf der Bieler Höhe. Mit Tobias und Reto ziehe ich bis an den Fuß der Hochalpenstrasse. Dann sind die beiden auch weg. Ich sehe sie erst wieder oben auf der Bieler Höhe. Bis dorthin sind es insgesamt 1500 HM am Stück (von Bludenz aus). Unzählige Kehren und ein herrlicher Anblick je höher man nach oben kommt. Höhepunkt die Sicht auf den schneebedeckten Piz Buin. Es ist der 18. Oktober 2014. Oben auf 2.036m hat es 14 Grad. Ich habe eindeutig zu viel an. Weil ich die Ärmlinge vergessen hatte, bin ich mit dem Winter Langarmtrikot losgefahren.







Wiedervereint machen wir uns auf den Weg durch das Panznauntal nach Pians. Die Zeit eine Packung Manner Schnitten zu verschlingen geht sich gerade noch aus. Ein paar Serpentinen und schon sind wir in Galtür. Jetzt wird gekreiselt. Und gebolzt. Ich halte mich raus. Mir friert. Links und rechts Raureif. Das Langarmtrikot kann mich jetzt auch nicht retten. So schnell kann es gehen. Galtür. Ischgl. Kappl. Ich sehe diese Orte flüchtig. Sehr flüchtig. Habe das Gefühl die quäldich.de Leute wollen sich gegenseitig zerstören. Doch keiner geht kaputt. Pians. Es geht hinauf auf den Arlberg. Der 2te Hungerast an diesem Tag. Ich lass abreißen. Meine Beine sind leer. Ich rette mich nach St. Anton. Besuche dort einen Sparmarkt. Eine Wurstsemmel, ein Red Bull und ein Milka Tender. Dann weiter auf den Pass. Unzählige Male bin ich mit dem Auto hier hoch. Das erste Mal jetzt mit dem Rad. Bis zu 13% machen sich bemerkbar. Wurstsemmel, Red Bull und Milka Tender bleiben wirkungslos. Es geht nichts weiter. Ich brauche die gesamte Straßenbreite. Zick Zack.

Ich erreiche die Passhöhe. Stürze hinunter nach Alpe Rauz. Eigentlich ist dieser Teil gesperrt. Bauarbeiten. Komme zur Baustelle. Es wird neu asphaltiert. Muss absteigen. Trage mein Rad abseits der Leitschiene. Dann der Flexenpass. Nur des Panorama wegens, wage ich mich hinauf. Oben mache ich Pause. Der Rest ist bereits in Lech. Also nicht weit weg. Beim Mittagessen. Es warten noch der Hochtannbergpass und das Faschinajoch. Ich überlege, ob ich mir das antun kann.







Ich tue es mir nicht mehr an. Ich nehme den direkten Weg nach Bludenz. Über das Klostertal. Vollgas. Die Wartezeit verbringe ich in Nüziders im Dorf Cafe bei sommerlichen 26 Grad. So muss es sein.  Für mich waren es 162 km und 2.700 HM. Die Helden hingegen haben sich mit 200 km und 4.000 HM ein Denkmal gesetzt. Schwanzmessen. Ups. Jetzt habe ich das interne Codewort doch noch ausgeplaudert.

Sonntag. Eine Challenge der besonderen Art. Das Nebelhorn. Die Passbeschreibung macht Angst. 1200 HM auf 7 km. Eine durchschnittliche Steigung von 23% auf den letzten 2 km. Spitzen bis zu 30%. Fahrbar? Wir probieren es. Natürlich bin ich dabei. Wir rollen durch Oberstdorf. Erreichen bald die mächtigen Sprungschanzen in der Erdinger Arena. Heute Training. Wir sehen Zahnstocher mit Sprungskiern. Gleich danach geht es zur Sache. Minimalziel Seealpe. Schnell komme ich ins Schwitzen. Kehre für Kehre geht es hinauf. Bis zu 15% die Neigung. Ziehen. Drücken. Das fehlende Oberarm und Rumpfmuskulaturtraining rächt sich. Jetzt vor allem. Mit Rennrad fahren hat das schon lange nichts mehr zu tun.

Ein paar Wanderer werden überholt. Sie staunen. Fragen sich wohl, wer diese Spinner sind. Die Trikots verraten es. quäldich und ketterechts. Wobei das quäldich im Vordergrund steht. An Kette rechts ist hier nicht einmal zu denken.

Seealpe. Es wird flacher. Vor mir eine Wand. Ich kenne sie vom Winter. Mit den Skiern. Die Wand wird zur Mauer je näher ich herankomme. Normalerweise bräuchte man hier einen Lift, um nach oben zu kommen. Wir haben Rennräder. 34/29, 34/28 und 35/27. Letzterer bin ich. Optimistisch. Es wird steil, steiler, Nebelhorn. Reto liegt schon am Boden. Hinten keine Traktion. Vorderrad etwas zu weit nach links gedreht. Umgefallen wie ein Kartoffelsack. Die Straße ist voller Rollsplit. Auch in der Mitte. Wir können nicht kreuzen. Müssen alles im direkten Weg nach oben fahren. Es ist ein Spiel mit der Physik. Hart über der Grenze. Die erste Rampe schaffen wir. Jetzt kommen Kehren. Und es wird noch steiler. Kehre für Kehre würgen wir uns nach oben. Ausklicken kann lebensgefährlich werden. Bei dieser Steigung hat man mit Look Platten keinen Halt.
















Mit Rennrad fahren hat das alles jetzt erst Recht nichts mehr zu tun. Es ist verkrampfte Akrobatik. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Traktion. Fährst du zu schnell, dreht dein Hinterrad durch. Fährst du zu langsam, wirft dich der Berg ab. Mehrmals muss ich absteigen. Habe Mühe mich und meine Princess of Pain zu halten. 50 Meter gehe ich zu Fuß. Nehme dann einen neuen Anlauf. Es bleibt beim Anlauf. Weit komme ich nicht. Die Grenzen der Rennradpysik sind erreicht. Aus. Basta. Wir müssen umkehren. Auf ca. 1560m Seehöhe. Die Bergstation und somit der Probst Haus liegen knapp unter 2.000m. Wir hätten also noch ca. 350 HM gebraucht. Auf weniger als 2 km! Umkehren.

Bergab ist es nicht ungefährlicher. Die Bremsen am Anschlag. Ein Fuß ausgeklickt. Bereit für alle Eventualitäten. Ich habe das Gefühl im freien Fall zu sein. Körper und Fließkraft drücken mich nach unten. Ein Fehler und ich schaffe die 100 km/h mit einem Wimpernschlag. Es wird zu viel. Ich fürchte um meine Felgen. Und um meine Gesundheit. Ich steige ab. Laufe ein Stück. Bis das Schlimmste vorbei ist. Zurück auf der Seealpe. Zurück in der Zivilisation. Wir fahren weiter nach Oberstdorf. Kehren ein. Kaffee und Kuchen. Fahrzeit 1h 24 Minuten für 14 km und 1.000 Höhenmeter. Schnitt 13 km/h. Mein langsamste Ausfahrt.

Was bleibt ist der Versuch und die Erkentniss, dass man Sportgeräte nicht außerhalb ihres Verwendungszweckes vergewaltigen soll. Tatsache ist, dass es muskulär machbar gewesen wäre. Aber damit kann ich mir nichts kaufen. Auf ein Neues! Mit quäldich.de. Weil die spinnen.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts



Samstag, 27. September 2014

Tourtipp. Trainieren und urlauben in Mittelkärnten.

Der idyllische Längsee in der Region Kärnten-Mitte.
Was für ein Glück. Nicht nur mit dem Rad komme ich viel herum. Auch beruflich. Diesmal hat es mich nach Mittelkärnten verschlagen, wo ich zusammen mit Christoph als Kärntentracker die Region in Sachen Kulinarik und Radtauglichkeit unter den Gaumen und unter die Räder nehmen durfte.

Mittelkärnten, das ist jene Region, die man von Norden kommend über die S37 leicht erreichen kann. Von Scheifling über Perchau am Sattel, gleich nach Dürnstein. Die Grenze zur Steiermark. Von Süden kommend braucht man eigentlich nur die Stadtgrenze von Klagenfurt zu verlassen, um hier in der Region zu weilen.

Was die Region für einen ausgiebigen Trainingsurlaub mit Familie ausmacht ist zum einen der idyllische Längsee und zum anderen die zentrale Ausgangslage zum Kilometer fressen und Laktat produzieren. Perfekt für schwimmen, Rad fahren und laufen. Baden nicht ausgeschlossen. Wandern, shophhen, sightseeing, wellnessing auch nicht. Es sind ja nicht immer nur Triathleten untereinander verliebt, verlobt, verheiratet. Zudem kommt die Kulinarik in der Region nicht zu kurz. Sogar Weinliebhaber sind hier richtig. Kärntner Weine sind stark im Kommen und genießbar. 





Als Base Camp kann ich den Längsee empfehlen. Neben dem Hotel Moorquell und dem Seehof ist auch das Stift St. Georgen bestens dafür geeignet. Das Hotel Moorquell ist etwas weiter weg vom See, dafür hat es einen eigenen Moorteich. Seehof und Stift St. Georgen hingegen haben einen eigenen privaten Strand. Der öffentliche Strand ist aber auch groß genug für alle. Da ich vorerst einmal ohne Rennrad unterwegs war, kann ich jetzt nichts über das Thema nächtliche Radaufbewahrung schreiben. Weiß auch nichts über versperrbare Radkeller. Natürlich gibt es weitere Möglichkeiten der Unterkunft. Frühstückspensionen, Privatzimmervermietungen ...

Während meines Aufenthaltes habe ich nicht lange gebraucht, um ein paar Laufstrecken ausfindig zu machen. Diese sind bestens ausgeschildert. In gelb die Wander- und Laufstrecken. In weiß, die längeren Radstrecken, welche aber für einen passionierten Läufer locker auch laufend bewältigt werden. Die Längsee-Tour beispielsweise hat 20 km und an die 500 HM.  Hier ein paar Touren, welche von St. Georgen am Längsee aus in Angriff genommen werden. Laufend, walkend, radelnd oder E-Bikend. Wer es jetzt noch sportlicher haben will, den empfehle ich die Strecke des Vier Berge Laufs über 52 km.

Fürs Rennrad ist die Gegend ein Traum. Angefangen von der 9 km langen Bergstrecke auf den Magdalensberg hinauf. Oben auf knapp über 1.000m wird man mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Karawanken, Julische Alpen und sogar die Nockberge sind zu erspähen. Weitere Strecken sind sicher die Runde über das Klippitztörl ins Lavantal nach Wolfsberg oder Hüttenberg, das gesamte Gurktal mit dem Anstieg auf die Hochrindl über Sirnitz und weiter auf die Nockalmstrasse, das Metnitzal bis auf die Flattnitz. Aber auch alles rund um die großen Seen. Den Wörthersee und den Ossiacher See. Wer schon einmal den ARBÖ Radmarathon in Bad Kleinkirchheim, die Tour de Kärnten oder auch eine quaeldich.de Rennradreise wie die Tauernrundfahrt gefahren ist, der kann Teilstrecken davon locker einbauen. Highlight wäre auch die Stichstraße hinauf auf den Falkert.






Sollte neben, vor oder nach den sportlichen Aktivitäten noch Zeit bleiben, lässt die Region auch kulturelle Highlights und heimische Schmankerln zu. Burg Hochosterwitz, die Bezirkshauptstadt St. Veit an der Glan, die älteste Stadt Kärntens Friesach mit Ihren historischen Stadtmauern und Türmen samt regierendem Blutsrichter, der Jacques Lemans Golfclub St. Veit, der Dom zu Gurk oder die Brauerei Hirt mit ihrem weit über die Grenzen hinaus bekannten Gulasch. Viele dieser Highlights lassen sich gemütlich über die gut ausgebauten Radwege und Radtouren erreichen. Quasi als Superkompensation zum Training, das in der Region nicht zu kurz kommt.






Mein Fazit: Eine äußerst idyllische Urlaubs- und Sportregion mit sehr vielen Möglichkeiten. Geschichtlich sehr interessant. Am Weg in den Süden, oder vom Weg aus dem Süden. Am besten aber man bleibt fix hier. Es ist alles da, was man als Läufer, Rennradler und Triathlet braucht.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts