Montag, 26. September 2016

Ach du Scheibe. Warum der Ruf besser ist als die Scheibenbremse selber.

Von ketterechts - dem Rennradblog.
Die Kilometer mit meinem Querfeldeinrad häufen sich. Seit einer Woche steht mein Rennrad still. Die Luft ist bereits heraußen. Es gibt ja am Norco Threshold Rival1 sehr viel zu entdecken. Unter anderem diese Stahl-Scheiben. Vorne und Hinten. In meinem Fall die hydraulische Version. Hier sollen ja diverse Vorteile gegenüber den mechanischen Scheibenbremsen überwiegen. Erstens sind sie teurer, zweitens bedarf es spezieller Bremshebel und drittens sind sie aufwendig und recht anspruchsvoll in der Montage und Wartung. Wegen des geschlossenen Systems. Insbesondere das schleiffreie Ausrichten der Bremsbeläge. Letzteres hat mich am Wochenende jede Menge Zeit und Nerven gekostet. Schön der Reihe nach.

Am Freitag erlebte mein Crosser die erste Ausfahrt mit dem Auto. Also musste das Vorderrad raus. Nicht so einfach, wenn man eine Steckachse bis dato noch nie bedient hat. Zum Glück gibt es so etwas wie einen Hausverstand. Es war eher leicht kompliziert. Die Reise mit dem Auto verlief ohne Zwischenfälle. Spannend wurde es dann beim erneuten Aufbau. Die Scheibe passte nicht mehr in die Kolben. What the f.***? Was weiß ich. Bin Rookie. Nicht einmal mit dosierter Gewalt. Ganz leichte Kratzer an der Gabel sind Zeugen eines erbitteten Kampfes ohne Happy-End.

Zum Glück gibt es Google. Also tippte ich "Scheibe lässt sich nicht mehr ins Vorderrad einspannen". Oder so was ähnliches. Nach 0,37 Sekunden die Gewissheit. Ich habe einen Anfängerfehler gemacht. Irgendwie die Bremse gedrückt. Das bedeutet, dass die Kolben zusammengehen, aber nicht mehr auseinander. Na bravo. Weiter googlen. Da stand was "mit einen Schraubenzieher die Kolben auseinanderdrücken". Und es stand was von "dabei können die Kolben zerkratzt und kaputt gehen." Na bravo.

Ich nehme einen Schraubenzieher, schütze die Spitze mit Klebeband und drücke die Kolben vorsichtig auseinander. Glück gehabt. Ohne nennenswerten Kollateralschäden. Und siehe da, die Scheibe passte wieder. Steckachse zudrehen und das wars. Nein. Eben nicht. Ein Schleifgeräusch störte meine empfindlichen Ohren. Was jetzt? Keine Ahnung. Bin ja Rookie.

Wieder googlen. "Scheibenbremse schleift". Jede Menge Tutorials. Ein Video schaue ich mir an. Mit Torx und Drehmomentschlüssel mache ich alles nach. Plan A scheitert, obwohl es einfach hätte sein sollen. Laut Video. Plan B kostet Konzentration und Nerven. Ungeschickt wie ich bin, schaffe ich es trotzdem, die Scheibe so zu zentrieren, dass sie einwandfrei läuft.

Dann die Ausfahrt. Von einwandfreiem Drehen keine Spur. Bei jeder Linkskurve schleift die Scheibe vorne. Nur Links. What the f***. Auch nach jedem stärkerem Bremsen. Also zu Hause wieder alles von vorne. Geradeaus läuft alles rund. In den Kurven nicht. Ist das kompliziert.

Am Samstag, dann ein Besuch bei Mountainbiker am See. Etwas fachsimplen. Von "Ist normal" bis zu "merkwürdig" über "die Scheibe hat schon einen leichten Schlag". Eine neue Scheibe. Angemerkt. Früher, sagte man mir, war das Problem mit den Schnellspannern bekannt. Mit den Steckachsen sollte das behoben sein. Sollte. Außerdem deformiert sich die Scheibe bei starken Bremsen immer wieder Wenn sie dann abkühlt, ist das Problem behoben. Das erklärt zumindest das Scheifen nach starkem Bremsen. Aber das Schleifen in der Kurve? Darf ich jetzt nur mehr geradeaus fahren?

Jetzt frage ich mich: Ist der Ruf der Scheibenbremse besser als die Scheibe selber?

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#ketterechts #norcobicycles #sram #rival1


Mittwoch, 21. September 2016

Querfeldein mit dem Norco Threshold Rival1 - die ersten Erfahrungen

Das Rad im Test von ketterechts - dem Rennradblog
Das Norco Threshold Rival1
Nein. Das ist kein Testbericht. Ich bin derzeit nicht in der Verfassung ein Rad zu testen. Das wäre unfair dem Rad gegenüber. Egal welches - jedes davon würde ja nichts dafür können, dass ich noch recht wackelig in den Beinen bin. Und außerdem könnte ich nicht das Letzte aus den Geschossen herausholen. Speziell im Antritt nach vorne. Trotzdem möchte ich niemanden meine ersten Erfahrungen mit dem neuen Norco Threshold Rival1 vorenthalten.

Zur Vorgeschichte: nach einer jahrelangen Schwangerschaft, habe ich mich heuer endlich entschieden, ein Querfeldeinrad in meine noch viel zu kleine Radsammlung aufzunehmen. Die Wahl fiel nach einem Insidertipp aus Gründen auf die für mich unbekannte Marke Norco aus Kanada. Im Gravity Segment sind die Kanadier ziemlich dick im Geschäft. Bei Crossern und Rennrädern "noch" nicht.

Erfahrungen von ketterechts - dem Rennradblog.

Erfahrungen von ketterechts - dem Rennradblog.


Schnell sind meine uralten Shimano SPD 535 Pedale aus dem Mittelalter montiert. Die Northwave MTB-Schuhe aus der gleichen Steinzeit mussten zuerst vom Winterdreck befreit werden. Dann war schon der große Moment da. Die erste Ausfahrt gleich auf Schotter - neudeutsch Gravel. Entlang des Liesingbachs bis nach Schwechat und retour. Die Rahmenhöhe 55,5 passt perfekt. Ich war mir nicht ganz sicher bei der Wahl. Die "grüne Mamba" ist fast 1:1 dem Straßenrennrad zugeschnitten. Einzig der Vorbau ist um knapp einen Spacer höher. Da will ich noch warten. Der erste Eindruck enttäuscht mich nicht. Das Norco Threshold ist ein Race-Bike. In Unterlenkerposition lässt sich mächtig Tempo machen. Die 42/11er Übersetzung ist im flachen Terrain gnädig. Schnell gewöhne ich mich an das einzige Kettenblatt vorne. Etwas ungewohnt ist der reine Bremshebel vorne links. Mit dem linken Schaltfinger greife ich stets in ein leeres Loch. Weniger schnell gewöhne ich mich an den einzigen SRAM Schalthebel. Campagnolo Jüngling halt. Da ich aber nur hinten schalten muss, können meine Synapsen recht schnell lernen und die für mich komplexe Einfachheit verinnerlichen. In Summe knapp 70 Minuten für die Liebe auf dem ersten Blick. Quasi ein Speed-Blind-Date. Mit der Gewissheit. Wir werden uns wiedersehen.

Erfahrungen von ketterechts - dem Rennradblog.

Erfahrungen von ketterechts - dem Rennradblog.

Das Wiedersehen stand dann ganz im Zeichen von "schauen wir mal, was geht." Ab ins Gemüse. Ausreizen. Probieren. Riskieren. Die beliebte Parapluie Strecke rund um Perchtoldsdorf war der Schauplatz. Auf den ersten 30 km hatte ich bereits 550 HM. Inklusive Anfahrt. Die 11fach Kassette hinten mit 11/28 entpuppte sich dabei als physikalisches Hinderniss. Ziemlich hart für die dort fahrbaren Steigungen. Im Wiegetritt, ein Durchdrehen des Hinterreifes und im Sitzen eine nicht unbedingt auf längere Anstiege ausgerichtete Geometrie. Beides haben mich ganz schön ins Schwitzen gebracht. Und mich an meinen noch aktuell laufenden Genesungsverlauf erinnert. Trotz allem war das Norco Threshold im Handling zu zähmen. Bergauf wie bergab. Wobei mir hier noch das richtige Gefühl zur machbaren Geschwindigkeit fehlt. Etwas euphorisch bin ich in die eine oder andere Kurve schneller raus als rein. Meist über den Fahrbahnrad. Mann nennt so was auch Fliehkraft. Unterschätzte Fliehkraft. Zu sehr ist noch die Straße in mir.

Erfahrungen von ketterechts - dem Rennradblog.

Erfahrungen von ketterechts - dem Rennradblog.

Schläge bergab schluckt das Norco Threshold ganz gut weg. Der Körper kriegt einiges davon aber ziemlich ins Kreuz. Die gefahrene Strecke ist ja auch nicht unbedingt Crosser's Liebling. Die Kette springt überhaupt nicht. Was dem einfachen Kettenblatt zuzuschreiben ist. Die Bremsen mit ihren 160mm Durchmesser vorne und 140mm hinten greifen sehr gut und lassen sich auch im Vollbetrieb - sprich Rüttelmodus - problemlos dosieren. Leichtes quietschen ist nicht zu überhören. Die Bremsättel müssen sich wohl noch etwas einbremsen. Bei Single Trails ist das Read wendig genug. Trotzdem ungewohnt. Ein wenig Techniktraining wird das verletzungsfreie Überwintern unterstützen.


Fazit: Entweder liegt es an mir oder am Rad. Aber sobald es etwas flacher wird, will das Norco Threshold kaum gebändigt werden. Geschwindigkeiten jenseits der 30 km/h sind sowohl am Asphalt als auch am Schotter machbar. Trotz dicker 33mm Reifen, die dann kaum zu überhören sind. Mit einem Upgrade auf ein 44er oder sogar 48er Kettenblatt vorne ... OK. Wir wollen es ja nicht übertreiben. Es gäbe ja auch noch ein 50er. Eine 11/32 Kassette hinten entspricht dann wohl eher meinem Alter. Mehr kann ich noch nicht sagen. Weil es das Bild verfälschen würde. Zu sehr hat mich das Rad bis jetzt positiv geflasht.


Ich bleibe dran.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#ketterechts #crossporn #norcobicyles


Details:

FRAMESET
Rahmen: Threshold Mid-Mod Carbon - TA Disc
Gabel: Threshold Mid-Mod Full Carbon - TA Disc

COMPONENTS
Sattelstütze: Norco 27.2mm - Black Stealth
Satteklemme:  CNC Alloy - Black
Sattel: Norco Cross Race w/Chromo Rails - Black
Kabelzüge: Shift Housing w/Sealed End - Black / Lime
Headset: N/A
Headset Spacer: 2x10mm Matte UD Carbon / 1x5mm Alloy
Top Cap: Alloy w/Norco Shield Logo - Grey
Vorbau: Norco - Black Stealth
Lenker: Norco Compact - Black Stealth
Lenkerband: Norco Ultra-Comfort 3mm - Black/Lime
Vorderbremse: Sram Rival 1 Hydraulic Disc w/160mm Rotor
Hinterbremse:Sram Rival 1 Hydraulic Disc w/140mm Rotor
Bremshebel: Sram Rival 1 Hydraulic Disc
Bremskabel: Sram Hydraulic Brake Hose
Felgen: A-Class CXD4 - Tubeless Ready Design
Reifen: Clement Crusade PDX 700 x 33c
Schlauch: Presta Valve - 48mm valve
Naben: A-Class CXD4 Sealed Bearing - 12x142mm
Speichen/Nippeln: Alex Stainless Black
DRIVETRAIN
Schalthebel vorne: Sram Rival 1 Hydraulic Disc Brake
Schalthebel hinten: Sram Rival 1 Hydraulic Disc Brake/11s Shifter
Umwerfer: N/A
Schaltwerk: Sram Rival 1 Medium Cage
Kassette: Sram PG1130 11-28T
Kettenblatt: Sram Rival 1 42T - Black
Tretlager: Sram PressFit30
Pedale: N/A
Kette: Sram PC1130

Samstag, 17. September 2016

Herbstzeit ist Crosserzeit. Meine Erfahrung als Erstkäufer im Überblick.

Ein Überblick von ketterechts - dem Rennradblog
Crosser von Norco aus Kanada
Der Herbst zieht unaufhaltsam übers Land. Die ersten Frühnebelfelder sind die noch harmlosesten Vorboten des natürlichen Feindes jedes Renrnadfahrers. Die Tage werden immer kürzer. Die Ausfahrten dafür rarer. Für die einen ist es die wohlverdiente Off-Season, für die anderen die heiß ersehnte Crosserzeit. Weg vom Asphalt, hinein ins Gemüse. Rollsplit statt Bananenspilt. Laub statt Staub. Crosser statt Rennrad.

Wer so einen Crosser hat, der kann sich glücklich schätzen. Wer keinen hat, so wie ich, der kann einem Leid tun. Die Auswahl an Crossrädern ist mittlerweile so riesig. Die Technik weit jener der Rennvelos voraus. Die gut gemeinten Meinungen vieler Experten so unterschiedlich. Die Gefahr, die Katze im Sack zu kaufen gegenwärtig. Deshalb habe ich die letzten Wochen damit verbracht mich zu informieren. Was ich dabei an Weisheiten gesammelt habe, hier im Überblick:

  1. Hersteller: mittlerweile baut fast jeder auch Crossräder. Von den bekannten Marken abwärts. Bis zu kleineren Schmieden. Wer kann's am besten? Haha! Fangfrage. Erfunden haben es nicht die Schweizer. Aber die Belgier waren mit Ridley von Anfang an dabei. Aber auch Newcomer aus dem MTB Bereich wie Norco aus Kanada mischen mittlerweile brav mit. 
  2. Rahmen: Carbon vs Alu. Alles dabei. Auch bei Crossrädern. Was besser ist? Das überlasse ich jedem selbst zu urteilen. Wie immer eine Preisfrage.
  3. Handel vs Internet: Da möchte ich mir die Finger nicht verbrennen. Aber die Realität sieht so aus, dass der Handel nicht immer durchsortiert ist. Hier sind längere Wartezeiten einzukalkulieren. Spezialisierte Onlinehändler (außer Canyon) können jetzt noch innerhalb von 5 - 7 Tagen liefern.
  4. Ausstattung: Außer Campagnolo sind hier Shimano und SRAM heimisch. 105er und Ultegra reichen auf alle Fälle aus. Apex, Rival oder Force natürlich auch.
  5. Übersetzung: Hier finden sich die markantesten Unterschiede wieder. Angefangen von der 1er Serie von SRAM. Ein statt zwei Kettenblätter ohne Umwerfer. Bis zu 300g weniger Gewicht. Jetzt müsste man nur noch rechnen können. 40 bis 50 Zähne vorne und 11 Ritzel hinten mit 10 bis 42 Zähne. Ansonsten Kompakt klassisch mit 2 Kettenblättern vorne. 48/36 gilt hier mehr oder weniger als Standard.
  6. Bremsen: Die Welt ist rund und die Bremse ist eine Scheibe. Inzwischen 140mm vorne und 160mm hinten. Mechanisch oder hydraulisch. Auch hier gilt: Preisfrage.
  7. Steckachsen: Der Schnellspanner hat ausgedient. Wie bei den MTB's halten diese Vorder- und Hinterrad am Rahmen. Durch den größeren Durchmesser ist eine bessere Steifigkeit möglich. Die Laufräder können somit auch exakter positioniert werden. Bremsen und Quietschen wird vermieden.
  8. Geometrie: die Crosser benötigen eine agile Lenkergeometrie. Dementsprechend sind die Räder auch so gebaut. Auffallend ist, dass Crosser kleiner ausfallen und der Vergleich mit dem eigenen Rennrad, um 1 bis 2 Rahmenhöhen größer ausfällt. Mehr dazu in einem meiner älteren Blogbeiträgen über "stack" und "reach" - zwei Maßeinheiten, mit denen Rahmen miteinander koreliert werden können.
  9. Reifen und Laufräder: Stollen oder Slicks, Tubless oder mit Schlauch, Alu oder Carbon ... mein Gott, wie soll man sich da noch entscheiden. Dann auch noch die Breite. 35 mm oder mehr?
  10. Preis: Ab € 1200 ist man dabei. Die Grenze nach oben offen. Wobei planetX mit einem Vollcabon Crosser (Rival 1 und hydraulischen Bremsen) um € 1.500,- inkl. Versand, das Rad mit dem besten Preis/Leistungsverhältnis anzubieten hat.
Jetzt heißt es nur noch zuschlagen und loslegen. 

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#ketterechts #styliseyourride

Dienstag, 13. September 2016

Ich schreib mich gesund - egal was die Ärzte sagen.


© fotolia
Ich weiß was ich tue. Deshalb tue ich es. Ich schreibe mich gesund. Egal was die Ärzte dazu meinen. Ab heute. Ab sofort. Gestern habe ich schon eine Krücke entsorgt. Die linke. Das rechte Bein wird nicht mehr geschont. Es wird behutsam belastet. Nicht voll, aber immerhin. Die zweite Krücke brauche ich noch - die Gehmotorik ist noch nicht vollkommen hergestellt. Ich spare mir ganze 2 1/2 Wochen schulmedizinisches Abwarten auf bessere Zeiten.

Ich weiß was ich tue. Deshalb tue ich es. Die kurzen Einheiten am Wochenende am Ergometer waren Balsam für die Seele. Zuerst nur 2x 30 Minuten bei 30 Watt. Tags darauf 2x 45 Minuten mit bis zu 100 Watt. Und am Sonntag dann 1h40 mit Spitzen bis zu 200 Watt. Schmerzfrei mit Freundentränen. Es war einfach nur geil, dem Surren des TACX-Gerätes zuzuhören. Starrer Blick nach vorne. Hände am Unterlenker. Beine, die auf- und abgehen. Zu Radeln war die beste Entscheidung. Die beste Therapie.  Mein rechtes Bein lässt sich im Sitzen und im Liegen bereits leicht heben. Die Muskeln reagieren auf die Physio. Das Hirn läuft wieder im Aktivmodus. Warum also länger warten?

Ich weiß was ich tue. Deshalb werde ich es tun. Ich werde am Wochenende eine Runde mit dem Rennrad drehen. Wetten?

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#beatmedicine #ketterechts

Montag, 5. September 2016

Compex - elektrostimulierte Muskeltherapie. Meine Erfahrung damit.

Von ketterechts - dem Rennradblog
Meine Favoriten bei Compex
Tag 18 nach meinem Rendezvous mit dem bösen Asphalt. Es geht mir den Umständen entsprechend. Eine alltagstaugliche Mobilisaiton ist bereits wieder hergestellt. Auch wenn ich immer noch abhängig bin. Auf mich allein gestellt würde mir der Zugang durch sauschwere Brandschutztüren verwehrt bleiben. Allein müsste ich alles, was zu tragen und zu schleppen wäre, mit den Krücken am Boden entlang schieben. Einige Routen am Naturparkett sind schon gut gekennzeichnet. Bewährt hat sich auch für den Fall, dass keine Hilfe zur Stelle ist, das Zwischenlagern über mehrere Stationen im maximalen Umkreis von zwei Metern. Not mach erfinderisch. Und MacGyver Gene hatte ich immer schon.

Man tut was man kann. Und man tut, was andere können. Im Kampf gegen den Muskelschwund. Dieser schreitet neben der Knochenheilung leider auch unaufhaltsam voran. Vorbeugend habe ich mir deshalb ein Compex Gerät zur elektrostimulierten Muskeltherapie zugelegt. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Eric Rosant von Compex Österreich für sein Leihgerät. Es ist schön, wenn virtuelle Freunde im Bedarfsfall zu echten Freunden werden. Eric ist mit dem SP 8.0, dem Topmodell von Compex, persönlich in mein Lazarett gereist, um mich einzuschulen.

Compex SP8.0 ist Selbsterklärend.


Wie heißt es so schön. Mit vollen Hosen ist leicht stinken. Das stimmt. Demnach stinkt das Topmodell SP8.0 sehr. Denn es hat die Hosen voll. Voller Funktionen. Gerät einschalten, Programm wählen, Elektroden nach exakter Display-Vorlage ankleben, verbinden, einschalten und loskitzeln. Autorange heißt das Zauberwort. Mit Autorange stellt der SP8.0 die optimale Intensität selbst ein und dies für jeden Kanal einzeln. Bei Regeneration und Schmerzbehandlung. Bei Training und Reha hingegen, kann man sich die Intensität selbst einstellen. Ohne zu übertreiben. So wie man die Gewichte oder den Widerstand beim Krafttraining selbst einstellen würde. Ein gewaltiger Quantensprung. Ich kannte Compex noch als Kabelsalatgerät.






Ich habe den Compex SP8.0 hauptsächlich für Muskelatrophie, Muskelkräftigung, Kapilarisation sowie Entspannungs- und Regenerationsmassagen im Einsatz. Am Oberschenkel vorne und hinten im Bereich Adduktoren und Hüftbeuger. Muskelatrophie, um dem Muskel sein Volumen zurückzugeben. Speziel mein rechtes, länger inaktives Bein hatte diese Funktion notwendig gehabt. Ein ganzer Zentimer Umfang sind verschwunden. Muskelstärkung, um den Muskel wieder aufzubauen. Logisch. Kapilarisation, um die Durchblutung zu fördern. In der Schmerztherapie ein wichtiger Aspekt. Die verschiedenen Massagen, um das Lot wieder zu finden. Ca 20 Minuten dauert jede Elektrostimulation.

Das interessante bei der Muskelkräfitgung ist, dass man im Moment des Stimulation mit aktiver Anspannung des Muskels, den Traiingseffekt verstärken kann. Der Rennradfahrer sollte dann im Sitzen seine Beine heben und runde Bewegungen aus der Hüfte machen - ähnlich dem Tritt in die Pedale. Bei mir ist diese Übung noch auf der Wunschliste. 

Klingt alles sehr theoretisch. Die Praxis hat mir gezeigt, dass ich trotz längerer Inaktivität weniger Muskelmasse verloren habe. Sogar mein Physiotherapeut war erstaunt, "was da noch alles da ist". Wenn ich bedenke, dass ich Compex SP8.0 nicht nur an dem Oberschenkeln, sondern auch den Waden, am Po, am Bauch, an der Armen, am Nachen und an der Brust verwenden könnte ....

Fazit: Compex ist selbsterklärend und funktioniert tadellos, kabellos. Wireless mit MiSCAN, MiAUTORANGE, ACTION und TENS. Fast von selbst - na bravo. Nicht nur in der Reha, auch im Training ein nützliches Gerät. Schwerpunkt Regeneration und Massage, um schneller wieder leistungsfähig zu sein. Aber auch das Thema Muskelstimulation in der Vorbereitung ist trainingstechnisch ein Pluspunkt. Einziger Minuspunkt aus meiner Sicht: Die Elektroden sind sehr empfindlich. Nach ein paar Anwendungen kleben sie nicht mehr so gut. Falls eine Elektrode während einer Anwendung abfällt brennts höllisch.

Compex Geräte gibt es im Fachhandel und im Online Store. Das Modell SP8.0 kostet € 1.229,-. Ein neuer Satz Elektroden € 9,90.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#beatmedicine #ketterechts #compex

Freitag, 2. September 2016

F*** you Schulmedizin. Endlich geht was weiter.

Bericht von ketterechts - dem Rennradblog
Tag 15 - endlich geht was weiter
Endlich geht was weiter. Nach 14 Tagen TKM (traditionelle Ketterechts Medizin) war ich heute endlich dort, wo ich seit meinem Crash hingehöre. Beim Physiotherapeuten. Überpünktlich. Wie ein kleines Kind habe ich mich unmittelbar nach meinem Aufprall am Asphalt auf diesen Moment gefreut. Die ersten 45 Minuten waren ein echter Hammer. Der esoterisch angehauchte Raum. Die Poster an der Wand mit der Abbildung aller menschlichen Muskeln. Das Skelett. Die chilenische Panflötenmusik bekannt aus Funk, Fernsehen und Fußgängerzone. Die volksschultaugliche Sprossenwand. Die puzzleartig ineinander verkeilten Mattenrechtecke. Das mit einem Papierleintuch abgedeckte Therapiebett. Es hat so gut getan.

Es hat so gut getan, mein rechtes Bein wieder halbwegs zu spüren. Es hat gut getan, dieses nicht nur wie ein Fremdkörper durch die Gegend zu schleifen. Es hat gut getan, winzig kleine Fortschritte zu erleben. Fortschritte auf dem Weg in den Sattel.

"Bringen Sie mich so rasch wie möglich aufs Rennrad."

Eigentlich wollte ich ja schon selber viel früher aufs Rad steigen. Nicht aufs Rennrad. Auf meinen alten, rostigen Daum. Markante Koordinationsdefizite und eine eingeschränkte Motorik haben mich davon abgehalten. Fremde Hilfe musste mit dem Flehen "Bringen Sie mich so rasch wie möglich aufs Rennrad" her. Die Suche nach einem Physiotherapeuten in der Nähe gestaltete sich kompliziert einfach. Mehrere Empfehlungen habe ich angeschrieben. Zwei haben sich gemeldet. Die eine mit den Hausbesuchen macht keine und der andere ohne, hat mir gleich einen Termin in seiner Praxis angeboten. Aufgrund des Wortes "Sportphysiotherapie" auf dessen Homepage habe ich zugesagt.

Als Einstimmung habe ich am Abend davor noch eine Osteopathin besucht. Diese alternative Behandlungmethode hat mich in meinem Entschluss bekräftigt, die 6 Wochen Heilungsdauer by Schulmedizin nicht für bare Münze zu halten. Es war eine sehr entspannte Einheit, bei der ich laut Osteopathin eine Metamorphose vom Panzer zum Weichei vollzogen habe. Fragt mich nicht, was man mir mir gemacht hat. Und auch nicht was. Geholfen hat es. Es wurden viele Sachen korrigiert und ins rechte Lot gerückt. Das freundliche und ehrliche "Das wird schon wieder" zum Schluss war jeden Cent wert.

Heute Morgen dann mein erster Besuch beim Physiotherapeut. Der Weg in seinen ersten Stock war schon eine Art Bewährungsprobe. Ein alter Hof mit einem engen und steilem Steigenhaus. Oben angekommen, läute ich. "Hallo Herr Gemmato, haben sie gut hergefunden?" Ich "Ja, ein Lift fehlt aber." Ein guter Einstand, oder? Danach eine kurze Anamnese und schon lande ich am Therapiebett.

Was folgt sind eine Reihe von Übungen mit denen die Funktionen des Hirns und jene der Beinmuskulatur wieder zu einem deckungsgleichen Tun zusammengeführt werden sollten. Mein rechtes Bein weigert sich nämlich das zu tun, was mein Wille ihm befiehlt. Manche Übungen absolviere ich mit Bravour. Bei anderen hingegen stelle ich mich an, als wäre ich noch nie auf Beinen gestanden. Schwankend und zitternd spüre ich, wie meine Muskeln kaum auf die Reize reagieren. Zuckend geben sie ihr Spielverderbertum zu Protokoll. Fragen wie "Tut's weh?" werden kategorisch mit "Nein" beantwortet.

Alles in allem verläuft die erste Einheit trotzdem für mich zufriedenstellend. Der Physiotherapeut ist entweder schlau, weil er mir genau das sagt, was ich hören möchte, oder er ist wirklich von meinem Willen überrascht und von meinen bis jetzt gezeigten Fortschritten überzeugt. Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg ist steinig und schwer.

Ich habe die letzten 14 Tage Muskelmasse verloren und Bauchfett gewonnen. Auf dass es so weitergeht - nur mit umgekehrten Vorzeichen.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#beatmedicine #ketterechts


Montag, 29. August 2016

Ötztaler Radmarathon 2016. Traum und Albtraum.

von ketterechts - dem Rennradblog

Bild © Ötztaler-Radmarathon
Ötztaler Radmarathon 2016. Ötzidreamer. Der Tag danach. Die einen feiern, die anderen grübeln. Wir sind im Juli 2016 nach Sölden gefahren, um uns auf den Ötztaler Radmarathon vorzubereiten. Wir, das sind Roland, Tobias 1 + 2, Henning, Stefan 1 + 2, Xandi, Bilgin, Christian, Michael und ich. Rookies und Wiederholungstäter. Jeder mit seinem eigenen Ziel. Wir sind die 4 Pässen abgefahren. Das Kühtai, den Brenner, den Jaufenpass und das Timmelsjoch. Wir haben uns akklimatisiert. Wir haben diskutiert. Und wir haben spekuliert. 5 Tage lang. Jeder über sein eigenes Ziel. Von Durchkommen bis hin zu Höherem. Gestern war der Tag der Wahrheit. Was hat die Vorbereitung gebracht?

Traum, Albtraum, Alptraum.

Den diesjährige Ötztaler Radmarathon habe ich von zu Hause mit Datasport live miterlebt. Auf meinem Bildschirm meine Favoriten. Alle Ötzidreamer unserer Rennradreise sowie weitere Freunde und Bekannte. Eine neue Erfahrung. Eine interessante Erfahrung. Ich habe mitgefiebert, als würde ich selber mitfahren. Ab 0645 Uhr bis tief in den Abend hinein. Abschnitt für Abschnitt. Die Zwischenzeiten Ötz, Kühtai, Innsbruck, Brenner, Gasteig, Jaufenpass, St. Leonhard, Timmeljoch und Sölden altbekannte Hotspots. Meine Zeiten stets im Hinterkopf. Jene, die in den letzten Jahren gefahrenen und meine für heuer umsonst geplanten.

Es war ein langer Tag für alle. Und alle sind wieder in Sölden angekommen. Vier von uns leider mit dem Besenwagen. Gasteig, Innsbruck und 2x Brenner waren die ungeplanten Endstationen. Aus unterschiedlichen Gründen. Genaueres weiß ich noch nicht. Einmal war es Vorsicht und einmal ein technischer Defekt. Dieser konnte zwar mit einem Ersatzrad behoben werden. Die Aufholjagd auf die 30minütige Wartezeit hat dann jedoch Kraft gekostet. Jene, die ins Ziel gekommen sind haben sich ihren Ötzidream erfüllt. Herzlichen Glückwunsch. Das Finisher-Trikot kann mit Stolz getragen werden.

Resümee: Der Ötztaler Radmarathon ist kein Wunschkonzert. Es spielen einfach immer so viele Faktoren mit. Faktoren die über Albtraum und Alptraum entscheiden. Das Erlebnis Ötztaler-Radmarathon bleibt so oder so mit Sicherheit ein Highlight. Highlight, welches 2017 wieder im Programm stehen kann. Mit einer Rennradreise zum Ötztaler Marathon. Vorbereitungswoche im Juli und Rennwochenende im August. Inklusive garantiertem Startplatz. 9 unvergessliche Tage im Zentrum von Sölden. Voranmeldungen nehme ich gerne entgegen.

Cristian Gemmato aka @_ketterechts
#ötzidreamer #ketterechts #örm2016