Dienstag, 16. September 2014

Giro d'Italia Granfondo Vienna. Mit 42 km/h durch Wien und rund um Wien.

Spitzenfeld 2 km vor dem Ziel auf der Reichsbrücke.
"Italian cycling passion in the heart of Vienna." Klingt nicht ganz nach Schlachtruf. Verlockend war es trotzdem. Und so standen knapp 500 Teilnehmer Sonntag um 9.00 Uhr vor dem Ernst Happel Stadion am Start der Gran Fondo. Die Premiere dieser Rennserie (sogar in New York). Offizielle 120 km und 500 HM durch Wien und ins Marchfeld. 30 Minuten davor wagten sich ca. 270 Rennradler auf die Medio Fondo über 60 km. Endlich wieder ein Radrennen rund um Wien. (Nächste Woche gibt es mit dem Veloton Vienna ein zweites).

Versprochen wurden abgesperrte Straßen und eine einmalige Sightseening Runde durch Wien. Dazu italienisches Flair. Your Passion. Your Race. Your Challenge. Am Ring. Am Praterstern. Über die Reichsbrücke. Das wurde auch eingehalten. Was mich gleich zum größten Pluspunkt dieser Veranstaltung bringt. Bin noch kein Rennen gefahren, das so vorbildich abgesperrte Straßen vorzuweisen hatte. In der Stadt und außerhalb. Kein einzig fahrbarer Untersatz weit und breit. Weder entgegenkommend noch querend. Abgesehen von ein paar parkenden Autos in Wiens Außenbezirken. Ob es jetzt der Sonntag Morgen war oder die ausgestorbene Gegend im Marchland. Egal. Ein Traum. Ein Danke den Organisatoren. Drei Stunden im Sattel ohne Stinkefinger, "Schleich di" und "Sautrottel" in und rund um Wien. Einzigartig.

Das mit dem Sightcycling durch Wien war sicher gut gemeint. Aber ganze 20 km hinter einem 20 km/h fahrenden Führungsauto zu krebsen war irgendwann langweilig. Schleichen und trotzdem volle Konzentration. Sonst wäre die hart erstrittene Position vorne wieder weggewesen. Der Feind lauert hinten, links und rechts. Und er schläft auch nicht. Nutzt jede noch so kleine Lücke, um sich nach vor zu kämpfen. In der Neutralisation. Eine endlos lange Wurst an Rennrädern. Durch ein graues, verschlafenes Wien. Hat man auch nicht jeden Tag. Muss man aber nicht. Vielleicht bei Sonne und warmen Temperaturen. Denn am Sonntag war es in der Meiereistraße richtig nass und schmutzig. Zwei km haben genügt um aus einer glanzpulierten Princess of Pain eine vesaute Carbonschlampe zu machen. Danach hielt das Wetter. Zum Glück. Bewölkt mit Rücken-, Seiten- und Gegenwind

Die Strecke. Offizielel 120 km.
Irgendwo am Ende der Wagramer Straße wurde das Rennen dann endlich freigegeben. Noch 97 km bis ins Ziel. Von 20 km/h auf über 50 km/h innerhalb eines Wimpernschlages. Wer im Spitzenfeld dabei sein wollte, musste richtig Laktat produzieren. Die Post ging plötzlich so richtig ab. Ich war mit zwei Teams am Start. Dank der Unterstützung von Stiegl. Ketterechts I und II powered by Sportweisse. Ein schnelles und ein mixed Team. Zwei aus meinem Team eröffneten sofort nach Rennfreigabe das Feuer. Martin und Roli setzten sich vom Feld ab. Nicht lange. Aber lange genug, um Ketterechts dort zu haben, wo es hingehört.
Es war nicht die einzige Attacke aus dem Feld. Immer wieder versuchten es ein paar Selbstbewusste. Immer wieder wurden sie eingeholt. Immer wieder zog sich das Feld auseinander. Immer wieder schrumpfte es wieder zusammen, sobald die Aussichtslosigkeit der Solisten erkannt wurde, bzw. diese wieder geschnappt wurden. Ein kräfteraubender Ziehharmonika Effekt. Ideal für Laktatjunkies. Hartb beschleunigen und konzentriert bremsen. So kann man die ersten 50 km kurz beschreiben.

Das Feld vorne bestand zu diesem Zeitpunkt nur mehr aus ca. 50 Fahrern. Dahinter hatte es einen Crash gegeben, so dass eine rießige Lücke entstanden war. Nicht der einzige Crash. Bereits während der neutralisierten Fahrt krachte es neben mir. Ich konnte ausweichen. Der Fahrer vor mir hatte beide Lookplatten am Boden und verhinderte so seinen Sturz und den Sturz anderer. Der Nebenmann lag am Boden. Carbon und Asphalt, das ist keine Symphonie für die Ohren. Dann weiter auch wieder. Vor mir eine Unachtsamkeit. Und schon lag ein weiterer mit seinem teuren Carbonrad am Boden. Ich konnte wieder ausweichen. Mein Nachbar nicht. Er schoß quer über die Fahrbahn in die Botanik. Riss dabei andere mit. Überschlug sich und landete mit dem Helm voraus im Acker. Ich habe dieses Bild immer noch im Kopf. In Zeitlupe. Seine Brille - eine Oakley flog noch durch die Luft. Auch an das kann ich mich noch erinnern.

Warum? Weil durch die flache Strecke Leute im vorderen Feld unterwegs waren, die eine Geschwindigkeit von über 45 km/h allein nie fahren könnten. Ziemlich blau hielten sie sich und verbreiteten Angst und Schrecken. Durch ihre Fahrweise. "St. Franzikus" möchte ich hier an dieser Stelle erwähnen. Bis ca. km 70 oder 80 noch im Vorderfeld. Dann im Ziel mit 10 Minuten Verspätung. Reif für das Sanizelt.

Für mein Team rollte es recht brav. Wir waren noch zu sechst im Spitzenfeld. Und wir zündeten immer wieder Raketen. Roli genoss es sichtlich vorne für Unruhe zu sorgen. Dahinter haben wir uns ausgemacht 10 km vor dem Ziel abzustellen um kein unnötiges Risiko einzugehen. Das war zumindest der Plan.

Der Plan ging nicht auf. Auch weil die letzten Kilometer ziemlich heavy waren. Statt kerzengerade zurück nach Wien zu fahren mussten wir im Zick-Zack Kurs durch ein unspektakuläres Industriegebiet fahren. Bestens abgesichert. Aber etwas eng. Links und rechts Absprerrungen mit bösen Alufüßen in die Fahrbahn. Bekannt aus den Übertragungen der Tour de France und des Giro d'Italia. Ich hatte echt Mühe in den Kurven die Linie zu halten. Meine Linie. Zur meiner Sicherheit und zur Sicherheit der anderen. Das Feld war deswegen jetzt schon etwas in die Länge gezogen worden. Vorne weg der spätere Sieger. Ausreißer. Sein Vorsprung recht groß.





Zu fahren waren noch die Reichsbrücke. Davor noch eine Unterführung. Wo ich von hinten kommend ein paar sichtlich blaue (nicht das Trikot) Rennradler überholen konnte. Das Feld mittlerweile in Einserreihe. Hohes Tempo also. Zu meiner Verwunderung befand ich mich dann schnell wieder an der Spitze dieses Feldes. Links und rechts wurde bei jedem Ausreißversuch geschrien und gewarnt. Sachen, die ich bis dato so nicht live miterlebt habe.






Reichsbrücke. Leichte Steigung. Kette rechts. Vollgas. Ich war voll dabei bei der Musik. Eine Attacke nach der anderen. Und immer wieder diese Warnschreibe. Wie geil. Ich bin vorne im Feld. Warum auch immer. Es geht dann scharf nach links runter auf den Handeslkai. Ich lasse mir die Schneid abkaufen. Bremse. Und bekanntlich verliert derjeneige, der bremst. In der Kurve haben wir alle mindestens eine Neigung von 45 Grad. Nach links. Um die Kurve zu schaffen und um die Linie zu halten. Dann gleich nochmals 90 Grad nach rechts. Wieder in kurbelasphaltkratzender Schräglage.

Noch ca. 1000m. Ich bin seitlich im Wind. Fahre an der Spitze nebenher. Der Vorsprung des Ausreißers wird immer kleiner. Eigentlich müsste ich jetzt sprinten. Das könnte ich. Doch ich bin irgendwie gelähmt. Bin schon froh, hier vorne zu sein. Hätte ich mir nie gedacht. Ein geiles Gefühl. Die letzte Kurve. Wieder 90 Grad nach rechts. Es wird eng. Eine Fahrbahnbreite hat man uns zur Verfügung gestellt. Der Rest gehört den Autofahrern. Mit Absprerrgittern. Ich bin innen in der Kurve. Muss bremsen (musste auch). Und schon sind wieder ein paar von hinten frecher. Viel frecher. Dreister. Abgebrühter. Cleverer. Vorbei. Es kommt zu Berührungen. Axel aus meinem Team wird abgedrängt. Kann einen Sturz vermeiden. Fliegt aus den Pedalen. Vor mir schwanzelt es einen. Ich habe wieder Glück und noch Restgeschwindigkeit. Diese ziehe ich durch. Es war kein echter Sprint von mir. Zu sehr immer noch meine Verwunderung ob der Postion, die ich inne hatte. Es war ein fast gemütliches Heimfahren. Vor mir wird angetreten. Automatisch mache ich das auch. Aber nie mit dem eiseren Willen das Ding abzuschließen. Von aktivem Sprint keine Spur. Ich Trottel. So eine Chance kriege ich wohl nie wieder.

Ich überquere die Ziellinie. Spekuliere mit einem Top 10, Top 15 Platz. Es war Platz 8 gesamt. Platz 5 in meiner AK. 1 Sekunde hinter dem Sieger. Das Stockerl wäre drinnen gewesen. Schade. Dafür Platz 1 und 2 beim Stiegl Company Giro. Gratulation an alle im Team. Die Mixed Wertung haben wir auch gewonnen.

Fazit. Geiles Rennen. Sehr gefährlich. Sehr schnell. 37 km/h Schnitt. Gesamt. Inklusive Sightcycling. Schnitt 42 km/h ab Rennfreigabe. Geschätzte Leistung: 270W im Schnitt. Nach dem Zieleinlauf habe ich gesagt, dass ich das nicht mehr fahren werden. Ob es dabei bleibt?

Prost.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

PS: Noch eins. Für € 71 Startgeld kam wenig italian cycling feeling in the heart of Vienna auf. Sehr mageres Startersackerl mit 1x Thunfisch von Rio Mare, 1 Isogetrnk, 1 Finisher T-Shirt in geilem Rosa, fesche Medaille, keine Labstation (wäre auch keiner stehen geblieben) und eine Finishlabe mit Salzbrezerln, Metro Orangen- und Apfelsaft. Darüber hinaus keine Siegerehrung für den Stiegl Company Giro, obwohl dieser als eigene Wertung geführt und beworben worden ist. Schade. Am Stockerl wäre ich dann doch gerne gestanden. Mit meinen Teammitgliedern vom Team Ketterechts I und II powered by Stiegl Sportweisse. 














Freitag, 12. September 2014

Rennradreise nach Kärnten, Friaul, Slowenien. Tag sechs.

Monte Zoncolan. Auch "il Kaiser" genannt. 10,5 km mit 1.250 HM. Legendär. Bekannt aus Funk und Fernsehen. Vor allem vom Giro d'Italia. Mit seiner imposanten Bergankunft in einer Naturarena, die ihresgleichen sucht. Knapp 12% durchschnittliche Steigung und Spitzen von bis zu 22%. Diesen Berg muss man als Rennradfahrer mindestens ein mal im Leben gefahren sein. Gilt er doch als der steilste im gesamten Alpenraum. Geheimtipps ausgeschlossen. Tag sechs der quaeldich Rennradreise hatte dieses Monster am Programm.

Für mich war es heute der zweite Zoncolan innerhalb von nur 15 Stunden. Für viele die Premiere. Dementsprechend auch die Stimmung unter den Teilnehmern. Nervosität wie vor einem ersten Date. Respekt, Demut und etwas Angst war zu spüren. Der Zoncolan war Gesprächsthema Nummer eins am Vortag bei der Henkersmahlzeit. Schilderungen einiger, die schon oben waren wie "Er ist nicht steil, aber es ist das steilste was ich je gefahren bin" nährten die gemischten Gefühle.

Geschafft haben ihn alle. Der eine im Eiltempo, die anderen gemütlicher. Ineinander und aneinander zick zackend. Schnaufend. Schwitzend. Fluchend. Heldenkurbelnd oder dreifach drehend. Was zählt ist aber, dass dieser Berg jetzt in vielen Erinnerungen verewigt ist. Und der eigentliche Höhepunkt dieser Rennradreise bei guten Wetter stattfinden konnte. Der Zoncolan ist gefallen. Es lebe der Zoncolan.

Meine zweite Auffahrt? Gefühlsmäßig härter als gestern. Von der Zeit habe ich mich trotzdem sogar um zwei Minuten verbessert. Dafür sind meine Beine jetzt ziemlich leer. Denn nach dem Zoncolan war noch der Passo Monte Croce Carnico/Plöckenpass zu fahren. Davor wurde aber wieder einmal eine Bäckerei geplündert. Diesmal in Paluzza. In Paluzza machten sich auch drei von uns aus dem Staub, um ihre Höhenmetersucht zu stillen. Forcella di Lius, Passo Cason di Lanza und Passo Pramollo. Insgesamt 101 km und an die 3.900 HM. Mehr sage ich dazu nicht.






Die gesamte Route ist ja so konzipiert, dass etliche Optionen zur Verfügung stehen, die Tagesetappen zu verkürzen oder wie eben oben geschrieben zu verlängern. Die Region bietet ja genug Auswahl namhafter Anstiege. Wie beispielsweise den Monte Crostis von Ovaro aus.

Der Plöckenpass ist von Paluzza aus 20 km entfernt. Die letzten 10 eine Orgie an Kehren. Eine gemäßigte Steigung verleitet die Laktatproduktion anzukurbeln. Dieses Mal war Max der Übeltäter. Jene die folgen konnten folgten. Ich hatte zum Glück wieder die Ausrede fotografieren zu müssen. Was ich auch tat. Somit war es keine Ausrede.









Gesund und trocken, müde und erschöpft, stolz und froh. Die Mannschaft liegt früh im Bett, während das WLAN diese Bilder hochlädt. Morgen siebter und letzter Tag. Mit weiteren zwei Pässen. Das Adria Tief hat uns bis auf einen Tag in Ruhe gelassen. Es soll aber dafür auf unserer Tour d'honneur zuschlagen. Wir warten mal ab.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

PS: ein Video vom Anstieg auf den Kaiser Zoncolan ist in Arbeit.

Donnerstag, 11. September 2014

Rennradreise nach Kärnten, Friaul, Slowenien. Tag fünf.

Tag fünf. Regen. Viel Regen. Strömender Regen. Vernunft und Verantwortung haben unsere Guides dazu veranlasst, den ersten Berg des Tages, den "Passo Cason die Lanza" zu umfahren. Zu gefährlich die Abfahrt von oben hinunter nach Paularo.

So ging es in einer verbotenen Zweierreihe das Kanaltal hinaus Richtung Tolmezzo. Die erste Stunde mit einem Schnitt von über 37 km/h. Und trotzdem war mir kalt. Sehr kalt. Was mich dazu veranlasste nach vorne in den Wind zu gehen. Herzfrequenz und Körpertemperatur fingen langsam an zu steigen.

Richtung Villa Santina machten wir dann auch noch Bekanntschaft mit den lokalen Carabinieri. Als diese uns entgegen gekommen sind und uns in 2er Reihe erblickten, wurde mittels akustischem Signal schon mal gezeigt, dass dies wohl nicht ganz legitim war. Unbeirrt davon, wurde unsere Gruppe in 2er Reihe weitergeführt. Bis die Carabinieri von hinten an uns heranfuhren und einer der beiden Männern bei offenen Fenster in feinem aggressiven italienisch uns klar machen wollte, dass wir gefälligst in "fila indiana" fahren sollten.

Dank der fehlenden Sprachkentnisse der anderen Gruppenteilnehmern - ich habe mich fein rausgehalten, dauerte diese Belehrung seine Zeit. Die Carabinieri beließen es aber nicht dabei. Hinter eine Kuppe warteten sie dann und zogen uns aus dem Verkehr. Nochmals wurde uns klar gemacht - diesmal auch mit eindeutigen Handzeichen, dass wir "routa a ruota" fahren sollten. Ein aufgerichteter Zeigefinger ließ schon schlimmeres erahnen. Ich habe schon mit einer Strafe spekuliert. Hielt mich aber aus der ganzen Sache raus, um nicht unnötig Öl ins Feuer zu gießen. Roli ließ auch seine Italienischkenntnisse im Guide Rucksack und versucht sich nur auf englisch zu verständigen. Ein "Ciao" zum Schluss ließ aber alle Wogen wieder glätten. Der Carabiniere hatte wohl seine tägliche Autoritätsbestätigung bekommen.

Sella di Razzo. Ja oder nein. Es regnete nicht mehr. Aber der Himmel war noch sehr wolkenverhangen. So meldeten sich "nur" 3 Freiwillige für den zweiten Pass. Der Rest fuhr ins Hotel nach Ovaro. Ich auch.

Später dann am Nachmittag juckte mich es doch wieder und zusammen mit Florian nahmen wir den berüchtigten "Kaiser" in Angriff. Lo Zoncolan hielt was er verspricht. Ein Monsterberg. Vom Hotel weg knapp 11 km und nur bergauf. Der Mittelteil 6 km kaum unter 15%. Eigentlich wäre er morgen zu fahren. Fahre ich ihn halt nochmals.







Ohne Zick-Zack fahren, lässt sich dieses Monster fast nicht bewältigen. Die Auswertungen von Strava und Garmin zeigen auf diesem Berg deutlich, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Bin gespannt wie es mir morgen geht. Da ich jetzt weiß, was auf mich zukommt.

Zwei Mal Zoncolan in zwei Tagen. Ob das zu einer Ketterechts Challenge wird?

Stay tuned
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Mittwoch, 10. September 2014

Rennradreise nach Kärnten, Friaul, Slowenien. Tag 4.

Tag 4. Und endlich hatten wir Sommerwetter. Jenes von 2014. Mindestens 27 Wetter-Apps haben wir von gestern Abend auf heute morgen konsultiert. 28 verschiedene Prognosen hatten wir. Die optimistische meinte es nicht wirklich gut. Pünktlich um 0830 Uhr öffnet Petrus die Schleusen. Dichter Nebel zog durch das Isonzotal. Und schon war es in der gesamten Gruppe unruhig. Wer wird wohl was fahren? Plötzlich hatten wir mehr Optionen als Guides. Vom schnellsten Weg ins Hotel mit "nur" einem Pass bis hin zur Gesamtvariante für die Hartgesottenen.

Ich habe mich freiwillig für die Gruppe 1 gemeldet. Um nicht wieder ein Debakel wie beim Ötztaler Radmarathon zu erleben. Regen hin oder her - wahre Männer fahren mit dem Rad bei jedem Wetter. Die Königsetappe begann mit der Montage des MudCatcher. Posingfaktor negativ - aber dafür einen sauberen Hintern. Somit ist dieser legitim und Ketterechts proved. Und sie begann mit meinen Hofer Leggins um € 5,90. Leider nicht ganz blickdicht. Sauerei. Darüber noch die Beinlinge. Handschuhe - jene aus dem Baumarkt. Ärmlinge und Regenjacke. Dazu noch das Radkäppi. Fünf Kilo Zusatzgewicht.

Von Log pod Mangartom - der wohl genialste Ortschaftsnamen der Welt - hieß es 17,5 km nur bergauf. Hier findet auch ein legendäres Bergrennen statt. Das Wetter hatte sich zum Besseren gewandelt und die Straßen waren trocken. Der Mangrt ist Sloweniens höchste asphaltierte Straße bzw. Stichstraße mit bis zu 15% Steigung. Denn im unteren Teil hat eine Gerölllawine zwei Kehren verschüttet. Statt diese neu zu bauen hat man einfach eine gerade Linie (Straße) nach oben gemeiselt. Hat man dieses Steilstück gemeistert, geht es zuerst durch einen dichten Laubwald bis man die felsigen Wände des Massivs erreicht. Durch viele finstere Tunnels und etlichen Kehren schlendert man nach oben. Am besten man verlässt nie die Ideallinie. Die Abgründe sind tief. Aufpassen muss man auch auf die vielen Ziegenbemmerln vulgo Gämseneier. Oben wenig spektakulär weil vom Nebel verhangen fährt man eine Einbahn und erreicht den höchsten Punkt auf 2.055m über der Adria. Welche ja Luftlinie von da oben ca. 200 km entfernt ist. Wir haben sie nicht gesehen und nicht gerochen. Gesehen haben wir eigentlich nichst. Gar nichts.



Mangart Abfahrt retour, dann Predil, Sella Nevea und in Chiusaforte gab es bei Luisa einen Capuccino samt Gazzetta dello Sport. Für € 2,-. Hier war dann auch wieder der Sommer. Der andere. Der warme und sonnige. Also entschlossen wir uns die Tagesetappe komplett zu beenden. Es wartete mit 16 km und 700 HM die Sella di Cereschiatis auf 1.059m am Weg nach Pontebba. Eine kleine Zusatzschleife, denn von Chiusaforte nach Pontebba im Kanaltal wären es 10 km mit nur 200 HM.

12 dem Wetter trotzende Gladiatoren begaben sich auf den Weg hinauf. Zu schnell. So dass Roli mehrmals mit "Kürzer" den Testosteronspiegel senken musste. 4,5 km vor dem Pass dann doch die Freigabe. Eine Ketterechts Attacke am Berg (!!!!) eröffnete wieder einmal die Festspiele. Der Vorsprung wahrte aber nicht lange. Die Bergziegen waren sofort wieder zur Stelle. Ich stellte auf Eigentempo um und litt. Bis nach oben.

Am Pass musste ich mich als Italiener wieder dem einsetztenden Regen beugen und umziehen. Dafür schoss ich dann Richtung Pontebba bei Sonnenregen und gefährlichem Einsatz an den davor fahrenden vorbei. Ich hätte gerne Abfahrtssegmente bei strava.

Zwischen Pontebba und unserem Hotel hatte ich dann auch noch einen Defekt. Morgen kriegt die Princess of Pain neue Conti 4000er. Die Ultra haben ausgedient. Das Wechsel des kaputten Schlauches hat der Gruppe eine wohlverdiente Pause gebracht. Mir auch.

Nach knapp 6 Stunden und an die 131 km später war der Tag zu Ende. Rad putzen, Kette pflegen, duschen und essen. Bloggen und bald ins Bett.

Morgen Passo Cason di Lanza und Sella di Razzo. 142 , 5 km und knapp 3.000 HM. Leider wieder unsicheres, kühles und nasses Wetter. Perfekt freue mich schon. Gute Nacht.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

Dienstag, 9. September 2014

Rennradreise nach Kärnten, Friaul, Slowenien. Tag 3.

Eine von 53 Kehren rauf und runter am Vrsic.
Tag 3. Die Frisur und das Wetter haben gehalten. Traumtag. Von in der Früh weg. Etwas nebelig und frisch zu Beginn. Aber gleich von 0 auf den Loiblpass nach dem Frühstück haben mich/uns gehörig ins Schwitzen gebracht. Ein Spätesommertag oder Frühherbsttag wie man ihn sich kaum anders vorstellen kann. Zumindest als Teilnehmer der quäldich.de Rennradreise nach Kärnten, Friaul, Slowenien.

Der heutige Tag lässt sich in Worten kaum beschreiben. Leider auch nicht in Bildern. Das Internet hier im geschichtsträchtigen Tal vom Isonzo (der Soca) leidet wohl noch unter den 12 Schlachten zwischen den Truppen der Italiener und der Österreicher zwischen 1915 und 1917. Ein Upload einer genialen GoPro Aufnahme dauert eine Ewigkeit. Egal. Ich werde die ganze Nacht hochladen.

Vom Loiblpass ging es rasant Richtung Süden. Wir konnten in Trzic die Adria riechen. Leider auch das Adria Tief welches uns in den nächsten Tagen die Suppe versalzen soll. Aber das ist Schnee von morgen. Wir waren am südlichsten Punkt unserer Tour und bewegten uns dann auf Nebenstraßen Richtung Jessenice und Kranijska Gora.  Unter anderem auf einem sehr gut ausgebauten Radweg. Eine ehemalige Bahntrasse aus früheren Zeiten. Jene von Kaiser Franz Josef.

Mittagspause bei Temperaturen in der Sonne über verdächtigem Sonnenrand Niveau. Und dann der Vrsic. 11,7 km und knapp 800 HM. Zuerst leicht bergauf hinein ins Tal und dann bei Spitzen bis zu 14%. 24 Kehren. Hinauf. Teilweise (fast alle) mit Kopfsteinplaster. Meine Princess of Pain hat geweint, als ich sie darüber gejagt habe. Teilweise bin ich mit meinen geslickten Conti Ultra durchgedreht. What else. Hauptsache bergauf.













Oben Verpflegung. Und dann runter ins Tal. 37 km. Zuerst 29 Kehren bergab. Kehren die verdammt böse zumachen. Exates Fahren war empfehlenswert. Bis ins Hotel dann doch gesittet und geschlossen. 2 km davor der ersehnten Dusche eine Ketterechts Attacke vom Feinsten. Ein 200 Meter Loch aufgerissen. Mit 50/12 (ja - ich hatte heute schon die Bergübersetzung) kein leichtes Unterfangen. Ich bin am Sattel herumgesprungen wie ein Gummiball. Noch 1,8 km. Niemand ist mitgegangen. Ich voll im Wind. Oberschenkel blau wie das Wasser der Soca. Das hat sich wieder ausgezahlt.

In Summe 124 km und 2.400 HM. Morgen Königsetappe. 128 km und 3.300 HM. Mit Mangrt. Auf über 2.000m. Gute Nacht.

Stay tuned.
Cristian Gemmato aka @_ketterechts

PS: Selten so viele quitschende Tretlager und andere seltsame Radgeräusche gehört. Albtraum für meine Ohren, weil ich immer das Gefühl habe, dass mein Rad diese abwirft. Fahrradpflege ist Ehrensache. Auch vor einer Tour wie diese. Zum Glück sind Roli und Florian Mechaniker aus Leidenschaft mit entsprechendem Werkzeug. So werden schon mal Campagnolo Tretlager ausgebaut, Shimano Kassetten gewechselt und SRAM Bremsbeläge getauscht. Damit jeder der Teilnehmer die Rennradreise genießen kann.